Gelsenkirchen. Bayern oder Schalke, Schalke oder Bayern - oder etwa doch Manchester United? Fragen über Fragen in der wohl brenzligsten Torwart-Causa der Liga: Wohin des Weges, Manuel Neuer? Die Zukunft der deutschen Nummer eins ist unklar, ein Abgang aus Schalke scheint sicher und die Bayern machen ernst im Kampf um Neuers Dienste. Der aber hütet sich, vorschnell eine Entscheidung bekanntzugeben. Die Liga tappt im Dunkeln. Nicht nur auf Schalke.
Auf Schalke, so wird gemutmaßt, könnte bald Routinier Frank Rost den Rückhalt geben. Der erfahrene Keeper soll den HSV wohl im Zuge des dortigen Umbruchs verlassen und Platz machen für Bayerns Thomas Kraft, den die Hamburger angeblich locken. Das Keeper-Karussell dreht sich. Doch dem ein oder anderen scheint es bei den rasanten Geschwindigkeiten zu heiß zu werden. "Ich würde gerne bleiben", sagte Kraft der SportBild zu seiner Zukunft bei den Bayern. In München aber wird weiter Manuel Neuer hoch gehandelt. Eine Zwickmühle für Kraft.
Bleibt Kraft trotz Neuer?
Kraft betont unaufhörlich, wie viel ihm an einer Vertragsverlängerung mit den Bayern läge. Doch "im Fall einer Verpflichtung von Manuel Neuer", so der 22-Jährige, würde es "schwieriger" zu spielen. Denn am Nationalkeeper ist vermutlich kein vorbei. Oder etwa doch? Kraft gibt sich kämpferisch: "Solange mir eine Perspektive geboten wird, kann ich mir alles vorstellen." Die Causa Neuer - sie hält die Bundesliga in Atem. Ein Wechsel des Schalkers nach München zöge wohl eine ganze Wechselkette hinter sich, wie gemutmaßt wird.
Im Sommer dann, oder auch schon in wenigen Wochen, kann es schließlich ganz schnell gehen: Kraft liegt bereits ein Zweijahresvertrag der Münchner vor - unterschriftsreif. Doch der junge Keeper wartet auf eindeutige Signale hinsichtlich eines möglichen Neuer-Engagements. Problematisch: Mit Jupp Heynckes kommt ein neuer Coach, mit neuen Vorstellungen, neuen Präferenzen. Er könnte die alte Ordnung über den Haufen werfen. Kraft zittert - und beim HSV wittert man die Chance, den 22-Jährigen im Sommer ablösefrei unter Vertrag zu nehmen! Nach Informationen des Hamburger Abendblatts haben die Verantwortlichen der Hanseaten schon erste Gespräche mit dem Bayern-Torhüter geführt.
Abstiegskampf nährt Zweifel - Wolfsburg an Wiese dran
Ganz andere Probleme, nämlich existenzielle, haben die Keeper, die mit ihren Klubs gegen den Abstieg kämpfen. Die Unsicherheit ist ihnen bei jeder Aktion anzusehen, allen voran bei Mönchengladbachs Schlussmann Logan Bailly. Der Belgier hatte die jüngste herbe Niederlage (0:1 gegen Kaiserslautern) mit einem schweren Patzer besiegelt. Er schaufelte einen Eckball mit der Faust ins eigene Gehäuse! Zweifel am Schlussmann gibt es beim Tabellenletzten nicht erst seit dieser Aktion. Die Torwartfrage ist über die vergangenen Jahre hinweg eine Farce, Bailly und Heimeroth wechselten sich von Aussetzer zu Aussetzer ab - dauerhaft überzeugte keiner. Doch Trainer Lucien Favre schweigt weiter.
Zweifel auch in Wolfsburg, wo Neu-Trainer Felix Magath in seinem ersten Spiel auf Routinier André Lenz vertraute. Denn gegen die etatmäßige Nummer eins Diego Benaglio sprach nicht nur dessen Verletzung, sondern auch seine akute Formkrise. Unsicher wie selten zuvor agiert Benaglio zwischen den Pfosten - wurde zuletzt aber auch oft genug von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Wie geht es weiter mit Wolfsburg und der T-Frage? Inzwischen berichtet die SportBild schon über ein Interesse an Bremens Tim Wiese! Der soll angeblich auch beim AC Mailand und Manchester City auf der Wunschliste stehen. Torwartroulette eben.
Hannover wartet - wie der VfB?
Noch muss man in Bremen auf den Ausgang der Saison warten. Ein Wiese-Abgang aber steht wohl im Rahmen des Möglichen, da der Nationalkeeper nur bis 2012 gebunden ist und Bremen im Sommer noch eine Ablösesumme kassieren könnte. Warten heißt es ebenfalls bei Hannover 96, wo Ron-Robert Zieler auch beim Topspiel gegen Borussia Dortmund nicht zur Verfügung stehen wird. Den 22-Jährigen plagt eine Schulterverletzung, er befindet sich noch in der Reha. Seither vertritt den jungen Torwart Ersatzmann Florian Fromlowitz.
Beim VfB Stuttgart indes hätte sich das Warten wohl kaum gelohnt. Sven Ulreich auf die Bank, Marc Ziegler zwischen die Pfosten - das war die Entscheidung von Trainer Labbadia nach einer neuerlichen Niederlagenserie. Doch Ziegler verletzte sich prompt, seitdem hält Ulreich in weltklasse Manier, avancierte zwei Mal zum Torwart des Tages im Fachmagazin kicker. Hier jedenfalls sind im Torwartroulette die Würfel gefallen, während anderswo das große Losen erst so richtig aufgenommen wird.

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