In der Defensive absolut kompakt und sicher, im Angriff mit Spielwitz und der nötigen Kaltschnäuzigkeit - auch im Rückspiel behält der FC Schalke 04 über Titelverteidiger Inter Mailand die Oberhand und besiegt die Nerrazzurri verdient mit 2:1. Auf das "Wunder von Mailand" folgte heute Abend der zweite Akt, der zwar weniger spektakulär ausfiel, aber ebenso eine beeindruckende Vorführung der Fähigkeiten von Königsblau darstellte.
Gelsenkirchen. Vor fast 55.000 Zuschauern feiert Schalke 04 sein ganz eigenes Fußballfest. Deutschland denkt und fühlt an diesem Abend Königsblau. Der Einzug der Schalker in die Top Vier Europas - es klingt wie ein Märchen, wie eine wundersame Geschichte. Doch das "Wunder von Mailand" wurde am heutigen Abend durch einen enorm stabilen Schalker Sieg über Inter Mailand in gewisser Weise widerlegt. Denn Schalke zeigte beim heutigen 2:1-Erfolg: Wunder hin, Wunder her - die Gelsenkirchener sind des Halbfinales der Königsklasse würdig, brillierten heute mit eindrucksvoller Souveränität und Abgeklärtheit.
Raul ebnet Schalke den Weg
Von Beginn an machte Inter Druck, war bemüht, das Spiel an sich zu reißen. Klar, mit vier Toren Unterschied hätte man an diesem Abend auf Schalke gewinnen müssen, um doch noch ins Halbfinale einzuziehen. Doch Schalke stand defensiv derart sicher, dass Inter kaum Land sah und die Angriffe oft überhastet spielte und nicht zu Ende führte. Allein Samuel Eto'o waren Durchsetzungsvermögen und Wille anzusehen. Der Kameruner war überall auf dem Spielfeld anzutreffen - doch ohne die Hilfe der Totalausfälle Milito, Sneijder oder Maicon blieben die Aktionen Eto'os ebenso wirkungslos.
Paukenschlag dann kurz vor Ende der ersten Halbzeit: Schalke kontert, Jurado spielt Raul mustergültig frei. Und der spanische Torero trifft - nachdem er den hilflos wirkenden Julio César im Gästetor umdribbelt hat - zur 1:0-Führung. Inter taumelt und Schalke schwebt.
Schalke mit klasse Moral nach Ausgleich
Die Gelsenkirchener ließen sich durch nichts aus dem Konzept bringen. Es gestaltete sich in der zweiten Halbzeit ein Spiel mit vielen Nickligkeiten und Unterbrechungen. In der 49. Minute erzielte Inter dann den Ausgleich: Nach einem Eckball bringt der bärenstarke Lucio den Ball in Richtung Tor, Thiago Motta fälscht das Spielgerät noch ab und netzt zum 1:1 ein. Ein Lichtblick für die Nerazzurri, um die es aber alsbald wieder dunkel wurde.
Für Inter Mailand schien zu diesem Zeitpunkt ein Weiterkommen bereits fast schon unmöglich: vier Tore in gut 40 Minuten - geht das? Schalke gab die Antwort, ließ sich nicht verunsichern und verteidigte weiter konsequent, sodass sich Inter keine wirklich zwingenden Chancen mehr erspielen konnte. Dafür offenbarten die Italiener in der Defensive immer wieder Lücken, sodass Schalke vor allem nach Standards Torgefahr heraufbeschwören konnte. Nach 81 Spielminuten besorgte Benedikt Höwedes nach feinem Zuspiel des mal wieder herausragenden Raúl den 2:1-Endstand.
Dem FC Schalke und seinen Fans steht eine lange Nacht bevor. Im Halbfinale wartet dann Manchester United. Schalke hat sich nach sieben zu drei Toren gegen den amtierenden Titelträger des Weiterkommens mehr als würdig erwiesen. Keine Frage, die Gelsenkirchener können gar um den Titel mitspielen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen