Mailand. Der Start hätte wohl kaum besser gelingen können für die Gastgeber am Dienstagabend. Nach nur 40 Sekunden war Inter Mailand in Führung gegangen - Dejan Stankovic hob als Nutznießer von Manuel Neuers Klärungsversuch das Spielgerät aus 50 Metern in die Maschen. Und der amtierende Titelträger in der Champions League schien dem Underdog aus Gelsenkirchen seine Grenzen aufzuzeigen. Doch es kam ganz anders. "Wir haben gut gespielt - wer hätte auch nur geahnt, dass es so ausgeht?", ist Inters Trainer Leonardo nach dem Spiel fassungslos. Denn obwohl die Nerazzurri zwei Mal in Führung gegangen waren, verlor man am Ende mit 2:5. Ernüchterung in Mailand. Doch schon kurz nach Abpfiff begann die Aufarbeitung des Debakels.
Kampflos, kraftlos, ohne Mut
Leonardo will die Schuld nicht an einzelnen Dingen festmachen - weder an Ranocchias Eigentor noch an Chivus Feldverweis oder den vergebenen Großchancen durch Milito und Eto'o. "Wenn man so verliert, dann beruht das nicht auf einem einzigen Grund. Es liefen einige Dinge schief." Eine treffende Analyse, denn vor allem in der zweiten Halbzeit spielte Inter desolat, eines amtierenden Champions-League-Siegers unwürdig. Aus der Defensive heraus kam bei den Schwarz-Blauen kein Druck, kein Pressing, keine Reaktion auf den anhaltenden Schalker Sturmlauf. Anstatt auf rasche Balleroberung zu spielen, mauerte die Inter-Defensive - vergeblich.
In der Offensive waren Milito und Eto'o alsbald alleingelassen. Über die Flügel agierte Inter kaum, insbesondere vom hochveranlagten Maicon kamen über die rechte Seite kaum Impulse. Eine biedere Vorstellung, die die kämpferisch hochmotivierten Schalker eiskalt bestraften.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
"Wir müssen ruhig bleiben", lautet die Ansage von Kapitän Javier Zanetti nach dem "Wunder von Mailand". Sachliche Analysen fordert der Verteidiger und erteilt damit den laut gewordenen Kritikern einen Maulkorb. Klar ist: Nach zwei verheerenden Niederlagen in Folge wird es schwierig für Inter, wieder in die Spur zu finden. Doch all die Stärken der Mannschaft, betont Zanetti mit Nachdruck, seien ja nicht auf einmal über Bord gegangen. "Auch diese Situation werden wir bestehen", schließt sich Fußballlehrer Leonardo der Meinung seines Kapitäns an. "Die Mannschaft muss die Antwort geben", fordert der Coach, während Geldgeber Massimo Moratti die Zwiespältigkeit in der Gefühlswelt des Klubs auf den Punkt bringt: "Fußball kann so schrecklich sein - trotzdem machen wir weiter!"
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