Stuttgart. Der FC Bayern wird Meister, Hannover 96 steigt vorzeitig ab und Schalke und Dortmund werden bis zum Ende um die internationalen Plätze kämpfen. So oder so ähnlich waren die Einschätzungen der Buchmacher vor Saisonbeginn, kleine Überraschungen immer mit eingeschlossen. Am Ende wurden es große Überraschungen, und das ist auch gut so!
Hannover überraschte
Mirko Slomka wurde scharf kritisiert, nachdem er nach dem Pokalaus gegen Elversberg in der ersten Runde vom Abstiegskampf sprach. Nicht erst seit dieser Niederlage wurde er als einer der größten Favoriten gehandelt, wenn es um die erste Trainerentlassung der Saison ging. Slomka allerdings arbeitete ruhig mit seinem Team und bewies, dass man fehlende individuelle Klasse problemlos durch bedingungslosen Kampfgeist und ein intelligentes taktisches Konzept wettmachen kann.
Der FC Bayern München hat es gerade einmal auf Platz drei in der Endabrechnung geschafft, sogar der Trainer musste entlassen werden. Grund: Eitelkeiten und Machtdemonstrationen! Selten überzeugte der Rekordmeister wirklich, erst unter Interimstrainer Andries Jonker kam so etwas wie Kontinuität ins Gefüge. Im kommenden Jahr trainiert Jupp Heynckes „seine“ Bayern, neue Erfolge scheinen vorprogrammiert zu sein.
Fairer Sportsmann: Jupp Heynckes
In dieser Spielzeit sorgte Jupp Heynckes noch mit Bayer Leverkusen für Furore. Wo in den letzten Jahren einer starken Hinrunde zumeist eine enttäuschende Rückrunde folgte, schaffte es der Routinier auf der Trainerbank den Hebel umzulegen und führte seine junge Mannschaft in die Champions League. Leverkusen begeisterte die Fans und darf nächstes Jahr in der Königsklasse antreten. Jupp Heynckes hat dabei wahren Sportsgeist bewiesen: Er gab bis zum Ende alles für Bayer, ohne jeglichen Gedanken an die kommende Saison in München zu verschwenden.
Aber auch viele andere Teams überraschten. Der FC Schalke, der VfB Stuttgart, Werder Bremen oder der VfL Wolfsburg werden mit einer schwachen Saison in die Geschichtsbücher dieses Bundesligajahres eingehen. Was diesen Teams fehlte, setzten die Underdogs der Liga hervorragend um. Freiburg, Mainz, Nürnberg, Kaiserslautern – diese vermeintlichen Abstiegskandidaten zeigten Teamgeist und den absoluten Willen, die Vorgaben der Trainer umzusetzen und damit die Liga zu überraschen. Zwar landeten drei der genannten Vereine am Ende im Mittelfeld der Tabelle und Mainz 05 konnte den hervorragenden Saisonstart nicht durchhalten, letztendlich sprangen aber für diese Vereine Platzierungen heraus, die in der Relation gesehen mit der Meisterschaft zu vergleichen sind.
Eintracht Frankfurt abgestiegen
Zur Bundesligasaison 2010/11 gehörten aber auch tragische Geschichten. Durch eine unterirdisch schwache Rückrunde muss Eintracht Frankfurt nun den Gang in die zweite Liga antreten, der Mythos Christoph Daum hat durch das enttäuschende Comeback in der Bundesliga Risse erhalten. In St. Pauli wird Holger Stanislawski zwar ein Held bleiben, den Abstieg seiner Hamburger konnte aber auch das sympathische Hamburger Urgestein nicht verhindern. Nach dem Derby-Sieg gegen den HSV ging quasi nichts mehr. Die Fans verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus in die 2. Liga, auch eine Art des fairen Umgangs zwischen Fans und Team.
Aber alles überstrahlt wurde von Borussia Dortmund. Eigentlich ist alles gesagt zur Saison der Schwarz-Gelben, die Statistiken sprechen für sich. Würdevoll muss dennoch zum wiederholten Mal betont werden, wie dominant das junge Team von Jürgen Klopp in dieser Saison auftrat. Die Medien redeten dem Meister des Öfteren eine Krise ein, doch Klopp und sein Team ließen sich davon nie beeindrucken. Beispiel gefällig? Die erste und einzige Heimniederlage der Saison kassierte die Borussia am ersten Spieltag – gegen Vizemeister Bayer 04 Leverkusen.
Eine spannende, von vielen Überraschungen gespickte Saison liegt hinter uns. Ständige Wechsel in der Tabelle, Berg- und Talfahrten, Aufholjagden und Pleiteserien bescherten der Bundesliga ein Jahr der Freude und des Leids. Allein am letzten Spieltag gab es zwischendurch drei verschiedene Absteiger, deren Kampf zwischen Abstiegsplatz, Relegationsspiele und Klassenerhalt bis zur letzten Minute währte. Die Bundesliga lebt, sie ist jung und fröhlich und begeistert Europa. Egal wie die Relegationsspiele enden oder die kommende Saison ausgeht, die Bundesliga hat in diesem Jahr 2010/11 bewiesen, was sie seit Jahrzehnten ist: einzigartig.
Wie habt Ihr die Saison 2010/11 in der Bundesliga erlebt?
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