Ein Tag im Mai, Sonnenschein, Vorfreude, Heimsieg, letztes Spiel im legendären Parkstadion – die Voraussetzungen für eine Meisterfeier hätten nicht besser sein können. Am letzten Spieltag der Saison 2000/01 träumten die Schalker Fans vom ersten Meistertitel seit Gründung der Bundesliga. Dass der Titelgewinn mit dem Sieg am 34. Spieltag für die Schalker nicht schon feststand, verdankte der FC Bayern wenigen außergewöhnlichen Sekunden am vorletzten Spieltag dieser Saison, die in die Geschichtsbücher eingehen werden.
Zickler und Balakov treffen nahezu zeitgleich
Während die Bayern im heimischen Olympiastadion stark aufspielende Pfälzer zu Gast hatte, musst der FC Schalke zum VfB Stuttgart, der sich mit einem Sieg den vorzeitigen Klassenerhalt sichern wollte. Der FC Bayern tat sich gegen den 1. FC Kaiserslautern lange Zeit schwer und bis kurz vor Schluss sah es nach einem leistungsgerechten 1:1 – Unentschieden zwischen den beiden Teams aus. In der 90. Minute allerdings traf der für seine Jokerqualitäten bekannte Alexander Zickler nach seiner Einwechslung zum 2:1 für die Gastgeber. Allerdings stand es in Stuttgart noch 0:0, was den Schalkern zumindest einen Punktgewinn beschert hätte.
In Stuttgart allerdings kämpften die Schwaben bis zum Schluss um den Siegtreffer, da man mit einem Sieg nicht mehr absteigen würde. Und so kam es, dass Regisseur Balakov mit immenser Willenskraft und einem strammen Schuss den VfB Stuttgart nur wenige Sekunden nach dem Führungstreffer der Bayern in München in Front brachte. Damit war die Ausgangssituation so gegeben, dass die Bayern in Hamburg am letzten Spieltag nur einen Punkt brauchten, um Meister zu werden. Der FC Schalke hingegen musste zunächst das eigene Spiel gegen Unterhaching gewinnen, um dann auf Schützenhilfe aus Hamburg zu hoffen.
Schalke dreht Partie im Parkstadion
In einem kuriosen letzten Spiel im Parkstadion, von dem aus die Schalker ab der folgenden Spielzeit in die Arena auf Schalke umziehen sollten, gewann Schalke 04 gegen SpVgg Unterhaching mit 5:3. Der eigene Anteil war also getan und auch in Hamburg sah es nach einem Kopfballtreffer von Sergej Barbarez zur 1:0 – Führung des HSV kurz vor Schluss so aus, als würden in diesem Jahr nicht die Bayern sich in letzter Sekunde den Titel schnappen. Doch die letzten Sekunden in Hamburg sollten in die Geschichte eingehen.
Während im Parkstadion die Partie schon zu Ende war, spielte man in Hamburg noch. Das interessierte die Schalker Fans allerdings wenig, dachten sie doch im Norden wäre ebenfalls schon Schluss und feierten deshalb bereits den Meistertitel. Plötzlich wurde auf der Videoleinwand im Parkstadion aber eine Live-Schalte nach Hamburg gezeigt, und auf ihr war Patrick Andersson zu sehen, der sich den Ball zum indirekten Freistoß im Hamburger Strafraum bereit legte.
Trauma noch immer in den Köpfen
Der Schuss dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, doch er brannte sich so fest ins Gedächtnis der Schalker wie sonst nichts. Die Geschichte ist bekannt: Andersson schießt, Andersson trifft, Bayern ist Meister – Schalke ist Vize. Bis heute haben die Schalker Fans dieses Trauma nicht vergessen, bestes Beispiel der von Oliver Kahn nachgeahmte Jubel von Manuel Neuer nach einem Sieg in München. Seit 2001 waren die Königsblauen nie so nah am Titel dran wie damals. In der Geschichte der Fußball-Bundesliga war der FC Schalke 04 ein Mal Meister. Für vier Minuten im Mai 2001.
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