Montag, 30. Mai 2011

VfB: Shinji Okazaki will ganz hoch hinaus

Im Winter galt Shinji Okazaki (links im Bild) in Stuttgart noch als Notnagel, seine Verpflichtung als hilfloser Akt eines überforderten Managers. Doch der Offensivmann überzeugte selbst die Skeptiker im Schwabenland fast restlos. Der Japaner strebt nun nach hohen Zielen: Er will "mit dem VfB in die Champions League".



Stuttgart. Das Grinsen ist aus seinem Gesicht nicht wegzuwischen. Shinji Okazaki trägt es mit sich wie einen treuen Freund. Wenn der Linksaußen des VfB Stuttgart zum Torjubel ansetzt, dann zeigt er Zähne – nachdem er sich seine pechschwarzen Haarstränen aus dem Gesicht gewischt hat. Das Lachen ist ihm seit seinem Wechsel im Winter in die Bundesliga nie vergangen. Trotz des Unglücks in seiner Heimat Nippon. Trotz des aufreibenden Abstiegskampfs mit dem VfB. Okazaki zeigte Zähne. Ein Künstler, der kämpft. Ein Dribbler, der durchhält. Bis ganz zum Schluss.

„Ich will in die Champions League“

In Stuttgart gibt er sich wortkarg. Sein Übersetzer machte ihm die Eingliederung leichter, überwand die sprachlichen Hürden. „Die Situation war sehr schwierig als ich kam. Der Druck war riesig. Dazu die fremde Kultur, die Sprache“, sagt Okazaki dem kicker. Leicht hatte es der 25-Jährige nicht in Stuttgart. Dort setzte Bruno Labbadia von Beginn an auf den dribbelstarken Asiaten, bürdete ihm auf der linken Seite enorme Verantwortung auf. Es war Okazakis Bewährungsprobe. Doch er bestand sie mit Bravour. Obgleich der Japaner anfangs mit der Intensität der Zweikämpfe und dem Tempo der Ballwechsel Schwierigkeiten hatte, sich in der neuen Mannschaft erst zurechtfinden musste, brachte er frischen Wind ins stockende Stuttgarter Spiel. Die Unverbrauchtheit und Unbekümmertheit des Offensivmannes tat dem VfB insbesondere dann gut, wenn es mal wieder – wie so oft – überhaupt nicht lief.

Hohe Ziele für die neue Spielzeit

Vom leidigen Abstiegskampf will sich Okazaki jetzt ein für alle Mal verabschieden. Für die neue Saison hat er sich hohe Ziele gesteckt. „Ich will in der neuen Saison alle Spiele bestreiten, über zehn Tore schießen – und möglichst bald mit dem VfB unter die besten drei Teams, also in die Champions League.“ Der König spricht. Der Kurs heißt Königsklasse. Doch zuvor muss sich der 1,74-Meter-Mann erholen. „Ich muss mich jetzt ausruhen und Kräfte sammeln“, sagt Okazaki. Seinen Urlaub verbringt der Japaner in der Heimat, bevor der VfB am 22. Juni dann wieder das Training aufnimmt.

Effizienz ist nun gefragt

So richtig effektiv allerdings, sagen Kritiker zurecht, war Okazaki in seinem ersten Halbjahr nicht. Seine enorme Explosivität auf dem Rasen schlägt sich nämlich kaum in der Statistik nieder: Keine Torvorlage, zwei Treffer – das ist die Bilanz aus zwölf Bundesligapartien. „Ich weiß jetzt, wo das Tor steht“, beteuert Okazaki aber. Er hat dazugelernt. „Mein Zweikampfverhalten ist besser geworden. Und ich bin mental stärker geworden“, sagt der Stuttgarter Publikumsliebling. Die Zahlen geben dem jungen Mann recht: Ausgerechnet in den letzten zwei Partien – gegen Hannover 96 und Bayern München – gelang Okazaki jeweils ein Tor. Wie war das gleich nochmal? „Ein Künstler, der kämpft. Ein Dribbler, der durchhält. Bis ganz zum Schluss.“ Ganz genau.

1 Kommentar:

Koebi hat gesagt…

da sieht man, auf welchem mist der wahrscheinlich beste deutsch-aufsatz gewachsen ist...