Joachim Löw hat nun endlich eine Entscheidung getroffen, Michael Ballack wird demnach nicht mehr in der Deutschen Nationalmannschaft benötigt. Geahnt, dass die Türen für Ballack schon seit der WM 2010 quasi verschlossen waren, haben es die meisten Beobachter längst. Nun hat Löw seine nicht allzu überraschende Entscheidung einfach nur bekannt gemacht. Auch Ballack soll angeblich schon länger Bescheid gewusst haben, was dieser nun bestreitet.
Siegertyp ohne Titel
Die Art und Weise, wie die Karriere von Ballack in der Nationalelf nun endet, ist seiner Karriere sicher nicht angemessen. Als Siegertyp ging er stets voran, scheute kein Interview, auch nicht nach schwachen Leistungen vom Team und von ihm. Mit seinen wichtigen Toren bei der WM 2002 verhinderte er ein frühes Ausscheiden, im Halbfinale opferte er sich für das Team und bekam die Gelbe Karte - weshalb er im verlorenen Finale zuschauen musste. Bei der Europameisterschaft 2004, die schwächste Endrunde einer Deutschen Nationalmannschaft im letzten Jahrzehnt, war Ballack der einzige, der zumindest nicht ganz im schwachen Spiel seiner Kameraden unterging und wenigstens zeitweise Akzente setzen konnte.
Highlight 2006
Auch das Sommermärchen 2006 wäre ohne Ballack nicht denkbar gewesen, genauso wenig wie eine Endspielteilnahme bei der EM 2008, wo er die Mannschaft im Spiel gegen Österreich mit seinem Treffer vor dem Aus bewahrte. Doch die EM 2008 steht symptomatisch für Ballacks Karriere in der DFB-Elf. Nach dem verlorenen Finale gab es noch auf dem Platz eine Auseinandersetzung mit Teammanager Oliver Bierhoff. Ballack - einer der aneckt, aber keinen Titel gewinnt. Das Foul von Kevin-Prince Boateng vor der WM 2010 am Kapitän war Pech, es verhinderte einen möglicherweise glorreichen Abschied Ballacks von der Nationalmannschaft.
Seither hat Ballack kein Spiel mehr im Nationaldress bestritten und das wird wohl auch so bleiben. Sein Ende in der Nationalmannschaft setzt seiner unrühmlichen Karriere die Krone auf. Aller Verdienste um die Nationalmannschaft zum Trotz wird sich in wenigen Jahren kaum mehr einer an ihn erinnern. Ohne internationale Titel, ohne die 100-Spiele-Marke zu überschreiten und ohne famoses Abschiedsspiel - so erinnert sich niemand mehr an einen ehemaligen Nationalmannschaftskapitän, trotz überragender Leistungen über Jahre hinweg.
Löw musste handeln
Dass in der neuen jungen Nationalmannschaft von Joachim Löw nach der WM 2010 kein Platz mehr ist für einen Michael Ballack, das haben alle irgendwann erkannt. Außer Ballack selbst. Joachim Löw hat ihm ein Jahr lang die Chance gegeben, den Zeitpunkt für einen angemessen Rücktritt selbst zu wählen. Chance eins die Ballack verpasst hat. Nun aber hat er die zweite Chance verpasst.
Abschied in Stuttgart abgelehnt
In der Mercedes-Benz Arena hätte Michael Ballack im August seinen Abschied feiern können. Auch wenn das Spiel schon lange geplant war, hätte er es zu seinem Abschiedsspiel machen können. Ausgerechnet gegen Brasilien. Das ihm verwährte Endspiel bei der WM 2002 also, der Kreis würde sich schließen. Einige Minuten vor dem Schlusspfiff würde Ballack mit stehenden Ovationen und geschwenkten Fahnen verabschiedet werden. Das wollte Ballack nicht, er bezeichnete das Ganze als eine "Farce". Damit hat er die zweite Chance vertan.
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