Einige Jahre ist es nunmehr her, dass die UEFA ein Konzept auf den Weg brachte, das exzessiven Spielergehältern und himmelschreienden Transfersummen ein Ende bereiten soll: Financial Fairplay. Überschreiten die Verluste eines Klubs einen Schwellenwert von derzeit 45 Millionen Euro, greifen die Sanktionen der UEFA. Doch ist das überhaupt sinnvoll?
Von Jan Oldekop
Von Jan Oldekop
Nyon. Muss Fußball
denn wirtschaftlich sein? Man muss sich diese Frage einfach stellen. Ja, sagen
die einen. Schließlich sind Klubs wie Borussia Dortmund oder Juventus Turin ja
an der Börse notierte Aktiengesellschaften, die ihren Investoren Gewinne in Form von Dividenden und Kurssteigerungen einbringen sollen. Nein, sagen die anderen, unter ihnen Investoren wie etwa der
russische Oligarch Roman Abramovich. Er investiert aus Jux und Tollerei. Weil
es ihm Spaß macht, im Fußball groß mitzumischen. Weit über eine Milliarde Euro
hat der Multimilliardär aus Russland schon in den FC Chelsea gesteckt, in seinen Verein. Die
neuen Regeln der UEFA schieben seinem Gebaren nun einen Riegel vor - zumindest sollen sie das.
Beispiel ManCity: Ein
Fall von Wettbewerbsverzerrung?
Soviel also ist schon
einmal klar: Geschäftsmodelle, die zu verlustreich sind, soll es in Zukunft
nicht mehr geben. So wird insbesondere sichergestellt, dass ein Verein nicht
binnen kurzer Zeit Investitionen in enormer Höhe vornimmt. Bestes Beispiel aus
jüngerer Zeit ist Manchester City: Seit 2008 darf sich Scheich Mansour Bin
Zayed Al Nahyan Eigner der Citizens nennen. Allein in neue Spieler flossen
seitdem hunderte Millionen Euro. Mansour brachte das Geld – und katapultierte
die Citizens 2012 zur englischen Meisterschaft und damit in den europäischen
Spitzenfußball. Kritiker sprechen von Wettbewerbsverzerrung. Zurecht?
Ehrlicherweise muss man
sagen: Investitionen wie die von Scheich Mansour sind absolut zulässig. Selbst
dann, wenn sie nicht mit der Absicht erfolgen, schnelle Gewinne zu erzielen. Im
Gegenteil: Das Modell ManCity schrieb bislang tiefrote Zahlen. Und dennoch: Der
Name Mansour ist in aller Munde und der Markenwert der Citizens vervielfachte
sich. Aus wirtschaftlicher Sicht also machen die Regelung zum Financial Fairplay nicht viel Sinn; schließlich sind aus Investitionen resultierende zahlenmäßige Verluste schlicht
natürlich.
Vor allem vor dem
Hintergrund, dass die UEFA Verluste mit dem Entzug möglicher Gewinne bestraft,
zeigt auf, wie prekär Financial Fairplay sein kann. Gerät ein Klub in
finanzielle Notlage (und ist dennoch sportlich erfolgreich), so verwehrt die
UEFA ihm aufgrund des Nichteinhaltens finanzieller Vorgaben die Teilnahme am
internationalen Wettbewerb oder behält Preisgelder ein. Insbesondere für
Vereine, die von ihrem Investor im Stich gelassen werden, gerät Financial
Fairplay so zur Todesfalle.
Selbst in der Bundesliga
erscheinen strengere Regeln sinnvoll
Und dennoch: Strengere
Regeln sind unabdingbar, um Vereine zu einem nachhaltigen Wirtschaften zu
zwingen. Selbst in der Bundesliga, wo die 50+1-Regel Übernahmen von Vereinen
durch Investoren verhindert, erscheinen strengere Regen sinnvoll. Der nach wie
vor hoch verschuldete FC Schalke und der vor Jahren nahe vor dem Ruin stehende
Lokalrivale Borussia Dortmund sind die besten Beispiele, dass
selbst in Deutschland die härteren Regelungen zum Financial Fairplay sinnvoll sein können.
Fakt aber ist: Verluste
zu bestrafen, ist vom Ansatz her eigentlich keine geschickte Lösung. Besser wäre
es, den Markt für Investoren unattraktiver zu machen – etwa durch eine
europaweite Einführung der in Deutschland etablierten 50+1-Regel. Dies würde
einen erheblich faireren Wettbewerb sicherstellen und auch dafür sorgen, dass
Schlupflöcher, die Financial Fairplay durchaus zulässt (etwa die Verschleierung von Investorenzahlungen als exorbitant hohe Sponsorengelder) geschlossen werden.
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