Montag, 20. Oktober 2014

Financial Fairplay: Segen oder Fluch?

Einige Jahre ist es nunmehr her, dass die UEFA ein Konzept auf den Weg brachte, das exzessiven Spielergehältern und himmelschreienden Transfersummen ein Ende bereiten soll: Financial Fairplay. Überschreiten die Verluste eines Klubs einen Schwellenwert von derzeit 45 Millionen Euro, greifen die Sanktionen der UEFA. Doch ist das überhaupt sinnvoll?
Von Jan Oldekop

Nyon. Muss Fußball denn wirtschaftlich sein? Man muss sich diese Frage einfach stellen. Ja, sagen die einen. Schließlich sind Klubs wie Borussia Dortmund oder Juventus Turin ja an der Börse notierte Aktiengesellschaften, die ihren Investoren Gewinne in Form von Dividenden und Kurssteigerungen einbringen sollen. Nein, sagen die anderen, unter ihnen Investoren wie etwa der russische Oligarch Roman Abramovich. Er investiert aus Jux und Tollerei. Weil es ihm Spaß macht, im Fußball groß mitzumischen. Weit über eine Milliarde Euro hat der Multimilliardär aus Russland schon in den FC Chelsea gesteckt, in seinen Verein. Die neuen Regeln der UEFA schieben seinem Gebaren nun einen Riegel vor - zumindest sollen sie das.

Beispiel ManCity: Ein Fall von Wettbewerbsverzerrung?

Soviel also ist schon einmal klar: Geschäftsmodelle, die zu verlustreich sind, soll es in Zukunft nicht mehr geben. So wird insbesondere sichergestellt, dass ein Verein nicht binnen kurzer Zeit Investitionen in enormer Höhe vornimmt. Bestes Beispiel aus jüngerer Zeit ist Manchester City: Seit 2008 darf sich Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan Eigner der Citizens nennen. Allein in neue Spieler flossen seitdem hunderte Millionen Euro. Mansour brachte das Geld – und katapultierte die Citizens 2012 zur englischen Meisterschaft und damit in den europäischen Spitzenfußball. Kritiker sprechen von Wettbewerbsverzerrung. Zurecht?

Ehrlicherweise muss man sagen: Investitionen wie die von Scheich Mansour sind absolut zulässig. Selbst dann, wenn sie nicht mit der Absicht erfolgen, schnelle Gewinne zu erzielen. Im Gegenteil: Das Modell ManCity schrieb bislang tiefrote Zahlen. Und dennoch: Der Name Mansour ist in aller Munde und der Markenwert der Citizens vervielfachte sich. Aus wirtschaftlicher Sicht also machen die Regelung zum Financial Fairplay nicht viel Sinn; schließlich sind aus Investitionen resultierende zahlenmäßige Verluste schlicht natürlich.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass die UEFA Verluste mit dem Entzug möglicher Gewinne bestraft, zeigt auf, wie prekär Financial Fairplay sein kann. Gerät ein Klub in finanzielle Notlage (und ist dennoch sportlich erfolgreich), so verwehrt die UEFA ihm aufgrund des Nichteinhaltens finanzieller Vorgaben die Teilnahme am internationalen Wettbewerb oder behält Preisgelder ein. Insbesondere für Vereine, die von ihrem Investor im Stich gelassen werden, gerät Financial Fairplay so zur Todesfalle.

Selbst in der Bundesliga erscheinen strengere Regeln sinnvoll

Und dennoch: Strengere Regeln sind unabdingbar, um Vereine zu einem nachhaltigen Wirtschaften zu zwingen. Selbst in der Bundesliga, wo die 50+1-Regel Übernahmen von Vereinen durch Investoren verhindert, erscheinen strengere Regen sinnvoll. Der nach wie vor hoch verschuldete FC Schalke und der vor Jahren nahe vor dem Ruin stehende Lokalrivale Borussia Dortmund sind die besten Beispiele, dass selbst in Deutschland die härteren Regelungen zum Financial Fairplay sinnvoll sein können.


Fakt aber ist: Verluste zu bestrafen, ist vom Ansatz her eigentlich keine geschickte Lösung. Besser wäre es, den Markt für Investoren unattraktiver zu machen – etwa durch eine europaweite Einführung der in Deutschland etablierten 50+1-Regel. Dies würde einen erheblich faireren Wettbewerb sicherstellen und auch dafür sorgen, dass Schlupflöcher, die Financial Fairplay durchaus zulässt (etwa die Verschleierung von Investorenzahlungen als exorbitant hohe Sponsorengelder) geschlossen werden. 

Keine Kommentare: