Stuttgart. Im Jahr 2007, unmittelbar nach Gewinn der deutschen Meisterschaft, kam Ciprian Marica nach Stuttgart. Für sieben Millionen Euro eisten die Schwaben das rumänische Sturmtalent aus dessen Kontrakt bei Schachtjor Donezk und statteten den Neuzugang mit einem hoch besoldeten Fünfjahresvertrag aus.
Doch der damals 21-Jährige konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen, seine Akklimatisierung lief schleppend. Die ernüchternde Bilanz der ersten Bundesligasaison: 28 Spiele, davon 15 von Beginn an, zwei Tore. Zu wenig für einen Angreifer, der einst als Toptalent und Sturmhoffnung angepriesen wurde.
Es ist aber kaum ein Jahr her, da schien der bislang blasse Rumäne förmlich zu explodieren. Unter Coach Christian Gross lief Marica zur Topform auf, erzielte in der denkwürdigen Rückrunde der Saison 2009/2010 ganze neun Treffer, bereitete zudem deren drei vor. Marica war angekommen im Schwabenland. Und ebenso schnell wieder abgefahren.
Söldner oder Bauernopfer?
In der vergangenen Hinserie nämlich ging es drunter und drüber. Den VfB Stuttgart erwischte es eiskalt. Pannen, Pech und Pleiten - der Klub rutschte in die Abstiegszone ab, Trainer Gross gab man den Laufpass, nur wenig später auch dessen Nachfolger Jens Keller. Unter Neu-Trainer Labbadia schaffte der Verein nun den mühseligen Weg zurück in die Spur - doch ausgerechnet Marica hielt nicht mit.
Dabei sind die Leistungen des 25-Jährigen in der laufenden Spielzeit nicht einmal schlecht! In 13 Bundesligaspielen, von denen Marica nur acht von Beginn an bestritt, kommt der Rumäne auf drei Tore und sieben Vorlagen. Unvergessen seine Spitzenleistung am elften Spieltag beim 6:0-Kantersieg über Werder Bremen; Marica avancierte zum Mann des Tages. Und nun? Tristesse.
Sein Ausraster im HSV-Spiel, als Marica nach seinem Torerfolg den Schiedsrichter beleidigte, bedeutete das Ende. Mit der roten Karte hatte sich der Angreifer urplötzlich sämtlichen Kredit verspielt. Die Bosse reagierten empfindlich. Wenige Wochen später suspendiert man Marica, nachdem sich dieser gegenüber rumänischen Gazetten abfällig über den VfB geäußert haben soll. Nur aufgrund juristischer Bedenken darf Marica seit Ende Februar wieder mit der Mannschaft trainieren. Dabei hätte man es aufgrund der vielen Verletzungen mehr als nötig gehabt, den Rumänen auflaufen zu lassen. Doch Trainer und Manager wollen Konsequenz verkörpern. Marica bleibt das Opfer. Öffentlich geschunden, vom Management geächtet, von den Fans an den Pranger gestellt. Kein gerechtes Urteil, könnte man sagen.
Marica bläst zum Angriff
Doch Ciprian Marica wehrt sich. So leise und bescheiden der Rumäne immer wirkt, die Dinge gehen an ihm nicht spurlos vorbei. Ein 10-Millionen-Euro-Angebot von Lokomotive Moskau lehnte der 25-Jährige nach BILD-Informationen ab. Es scheint, als habe seine letzte Stunde beim VfB Stuttgart noch nicht geschlagen. Ciprian Marica will es noch einmal wissen. "Es war die Entscheidung des Spielers. Er war in Moskau vor Ort, hat sich alles angeschaut und danach für sich entschieden, das Angebot nicht anzunehmen", sagt Berater Roger Wittmann. Ein mehr als nur deutliches Signal nach Stuttgart. Marica, auch seines sportlichen Wertes wegen, möchte schleunigst begnadigt werden.

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