Sonntag, 1. Mai 2011

VfB Stuttgart: Das Erfolgsrezept für den Klassenerhalt

Pleiten, Pech und Pannen kosteten Christian Gross und Jens Keller ihren Job als Cheftrainer beim VfB. Erst Bruno Labbadia führte die Mannschaft zum Erfolg und impfte dem gebeutelten Stuttgarter Team Selbstvertrauen, Siegeswillen und Moral ein. Der 16-er stellt Euch das Stuttgarter Erfolgsrezept vor.



Stuttgart. Die Tabelle lügt nicht. Und tatsächlich: Mit dem gestrigen 2:1-Auswärtssieg bei 1899 Hoffenheim kletterte der VfB weiter nach oben. Wie schon seit Wochen. Kleinschrittig, aber kontinuierlich. Langsam, aber sicher. Rang zwölf steht nun zu Buche – die beste Platzierung der Stuttgarter in dieser so schwierigen Spielzeit. Und mit nunmehr 39 Zählern auf dem Punktekonto kann man durchaus zurecht konstatieren: Die Schwaben haben es jetzt geschafft. Bruno Labbadia hat die Rot-Weißen in der Bundesliga zum Klassenerhalt geführt.

Keine gewagte These: Der VfB bleibt in der Liga

Zwar ist ein Abrutschen auf den Relegationsplatz rechnerisch noch möglich. Doch angesichts dreier Siege in Folge und der schwächelnden Konkurrenz aus Frankfurt haben die Schwaben den Verbleib in der Bundesliga sicher eingetütet. Auf die Rolle rückwärts in der Hinrunde mit dem sich ständig drehenden Trainerkarussell und den zahlreichen Rückschlägen folgte unter Bruno Labbadia die mühsame Rolle vorwärts – Labbadia kittete die Risse zwischen Fans und Mannschaft, arbeitete an der Fitness des Teams, redete die Spieler stark. Ihm wird man angesichts der schwierigen Umstände beim VfB ein Denkmal bauen müssen.

Kompakte Defensive um Ulreich und Boulahrouz

Die wohl wichtigste Entwicklung in der Mannschaft über die Rückrunde war die Stabilisierung der Defensivreihen. In den letzten neun Bundesligaspielen kassierten die Stuttgarter nur ein einziges Mal mehr als ein Gegentor. Dabei profitierten die Schwaben allen voran von der glänzenden Form von Torwart Sven Ulreich, der einen sagenhaften Leistungssprung hinlegte. Ende Februar wurde Ulreich noch kurzerhand zur Nummer zwei degradiert, um nur wenige Tage später – Rivale Marc Ziegler hatte sich verletzt – wieder zwischen den Pfosten zu stehen. Und zum Erfolgsgaranten zu avancieren. Zum Helden. Ähnlich auch wie Khalid Boulahrouz, der sich auf der Rechtsverteidigerposition einen Stammplatz erspielte, sich richtig reinbiss und in der Folge mit all seiner Erfahrung in der Rolle des Stabilisators schlechthin in der VfB-Defensive förmlich aufging. Ulreich und Boulahrouz – zwei wichtige Gesichter in der schwäbischen Erfolgsgeschichte.

Cacau, Harnik und Hajnal – ein gefürchtetes Trio

Auch im Offensivspiel griff ein Rädchen ins andere, als es eng wurde für den VfB. Aus den letzten neun Partien holten die Schwaben 20 von 27 möglichen Punkten. Keine schlechte Ausbeute, was vor allem dem Offensivtrio Cacau, Harnik und Hajnal zu verdanken ist. Sieben Tore, sieben Vorlagen. Zuletzt drehte insbesondere Cacau auf, der gegen Hamburg vor einer Woche doppelt und gestern in Hoffenheim einfach traf. Der Nationalspieler nimmt pünktlich zum Saisonfinale den ihm von Labbadia zugedachten überlebenswichtigen Part an und steht seit Wochen schon trotz Leistenverletzung zur Verfügung, lässt sich fitspritzen. Seine Nebenmänner, Martin Harnik sowie die im Winter verpflichteten Hajnal und Okazaki, bestechen durch Ballsicherheit, Spritzigkeit und eine gute Spielübersicht. Davon war das Team noch in der Hinrunde weit entfernt und die Offensivabteilung stellte – bis auf die Vergleiche mit Mönchengladbach und Bremen – ihre Arbeit ein.

Mannschaft beweist Moral

Der wohl wichtigste Faktor aber ist Bruno Labbadia und sein Trainerteam. Labbadia gelang es, seiner Mannschaft Kampfgeist und Siegeswillen einzuimpfen. Der Beweis: Zuletzt kämpfte sich der VfB auch oft nach einem Rückstand zurück. Wie gegen St. Pauli, als Kuzmanovic und Joker Schipplock das Spiel drehten. Wie gegen Wolfsburg, als Verteidiger Georg Niedermeier kurz vor Abpfiff noch einen Punkt sicherte. Und wie gestern gegen Hoffenheim, als Cacau und Kuzmanovic den Stuttgartern nach einem 0:1-Pausenrückstand den Sieg im Derby einfuhren. Im Schatten der Dortmunder Meisterfeier feiert der von vielen früh totgesagte VfB Stuttgart, der gerne mit dem Hertha BSC Berlin der letzten Spielzeit verglichen wurde, sein ganz eigenes Fußballmärchen. Und wer weiß, vielleicht feiert man am Saisonende gar zusammen. Zusammen mit Lucien Favres Gladbachern, die nach Erfolgen gegen Dortmund und Leverkusen ebenso wieder auf ein Wunder hoffen.

Keine Kommentare: